ACTION/DRAMA

David Ayer wird dem ein oder anderen durch seinen erfolgreichen und gnadenlosen Cop-Thriller End of Watch (Jake Gyllenhaal, Michael Pena) ein Begriff sein. In Fury – Herz aus Stahl begibt er sich in neue Gebiete: auf die Kriegsschauplätze in Deutschland im Jahr 1945.

HANDLUNG

Die letzten Kriegswochen 1945: Die amerikanische Panzerbesatzung des Sherman-Panzers „Fury“, bestehend aus dem Ladeschützen „Rattenarsch“ (Jon Bernthal), dem Richtschützen „Bibel“ (Shia LaBeouf), dem Fahrer „Gordo“ (Michael Pena) und dem Staff Sergeant Don „Wardaddy“ Collier (Brad Pitt) befindet sich auf dem Vormarsch im Deutschen Reich. Nachdem der Bugschütze zu Beginn des Films getötet wird, stößt der unerfahrene Private Norman Ellison (Logan Lerman) zur Besatzung dazu. Gemeinsam sollen sie einen letzten Befehl ausführen: hinter die feindlichen deutschen Linien vorstoßen und das NS-Regime endgültig in die Knie zwingen.

KRITIK

Herz aus Stahl beginnt zunächst vielversprechend. Er beleuchtet in seiner Erzählweise etwas differenzierter das Kriegsgeschehen des zweiten Weltkriegs, als man es von anderen Hollywood-Produktionen gewöhnt ist. So muss der junge Private Ellison als „Aufnahmeritual“ der Fury-Panzerbesatzung einen unbewaffneten deutschen Kriegsgefangenen hinrichten, was ein Kriegsverbrechen wäre. Ellison wehrt sich vehement dagegen und nach einer heftigen körperlichen Auseinandersetzung mit Sergeant Collier zwingt dieser den Private schließlich dazu, den Deutschen zu erschießen. Traumatisiert von diesem Ereignis zieht Ellison mit der Besatzung weiter in Richtung einer deutschen Kleinstadt. Und hier beginnt der Wendepunkt des Films.

Nach der Ankunft werden die letzten deutschen Widerstände zerschlagen und die Amerikaner erobern die Stadt. Collier und Ellison dringen bewaffnet in eine Wohnung mit zwei Deutschen Frauen ein. Da von den beiden jedoch keine Gefahr ausgeht, beruhigt sich der aufgebrachte Collier wieder und bietet den stark verängstigten Frauen Essen und Zigaretten an. Nachdem sich die Lage insgesamt wieder beruhigt hat, wird der Film skurril: der junge Private beginnt, auf dem Klavier zu spielen, wozu die jüngere der beiden Frauen, Emma (Alicia von Rittberg) zu singen beginnt. Anschließend verschwindet sie mit dem Private im Schlafzimmer.

Ab hier dreht sich die zunächst kritische Erzählweise des Verhaltens amerikanischer Soldaten, bei der auch deren Kriegsverbrechen beleuchtet wurden, um 180 Grad. Vielleicht hatte Regisseur Ayer Angst, das US-Kinopublikum wäre von dieser Darstellungsweise ihrer Kriegsveteranen entsetzt. Stattdessen beginnt nun der altbekannte patriotische Hollywood-Streifen, der allenfalls noch als hochbesetzter B-Movie durchgehen würde. Dass die hinterbliebenen deutschen Frauen, deren Männer/Väter/Söhne erst kürzlich im Krieg gefallen sind und deren Heimatdörfer in diesem sinnlosen Krieg zerstört wurden, werden wohl kaum sehnsüchtig auf die amerikanischen Soldaten gewartet haben, um ihnen inmitten von Leichen ein Essen zu kochen oder um sie ins Schlafzimmer zu führen. Eine perfide Darstellung vor dem Hintergrund, dass durch amerikanische Soldaten tausende Vergewaltigungen stattgefunden haben.
Die deutschen Männer hingegen werden als eine anonyme Masse aus Nazis dargestellt, die wehr- und planlos sind und nur als Kanonenfutter der Amerikaner dienen, die in völlig unrealistsichen Kämpfen unter den üblichen lässigen Sprüchen getötet werden. Die US-Soldaten hingegen pflügen sich durch Unmengen an Wehrmachtssoldaten hindurch, ohne auch nur einen Kratzer abzubekommen.

Fury – Herz aus Stahl hätte das Potenzial gehabt, das Kriegsgeschehen in der Endphase des 2. Weltkriegs aus einer anderen Perspektive zu zeigen. Leider entschied sich Ayer dagegen und liefert stattdessen einen 0815-WW2-Film aus dem Hause Hollywood, bei dem Blut und Körperteile durch die Gegend fliegen und die heroischen Amerikaner in altbekannter lässig-patriotischer Manier die Welt vom Bösen befreien. Eine überraschend neue Botschaft aus dem Hause Hollywood wäre eine andere gewesen. Zum Beispiel, dass am Ende jedes sinnlosen Krieges auf jeder Seite nur Menschen stehen, die ein Ziel haben: überleben.

Unsere Bewertung:

★☆☆☆☆

Fury – Herz aus Stahl (2014)
Dauer: 134 Minuten
FSK: ab 16 Jahren freigegeben